Tagesimpuls

Sa 28. Mär 2020
MIchael Röttger

Gerade jetzt in Krisenzeiten kommt es darauf an, dass zu tun, was man nach reiflicher Überlegung zu tun als richtig erachtet!

Es ist besonders jetzt- und auch sonst nicht- angezeigt, dass, was man nach eigener kritischer Überprüfung und im Lichte dessen, was wohl Jesus getan hätte, zu tun in der Lage wäre,
permanent zu hinterfragen und erst garnicht, um es anderen- gar noch allen- irgendwie recht machen zu wollen. Das wird nicht gelingen!

Auch sagt die Geschichte zweifelsfrei, dass du trotz aller Solidarität und Bezogenheit auf die anderen, auch auf dich und deine Bedürfnisse schauen sollst- ja auch mußt.

Im Spiegel und Licht dieser jeweils selbstkritischen Betrachtung, gibt es am Ende wirklich nur einen einzigen Menschen, dem du es recht machen sollst:

Dir selbst!

Viel Freude und Selbsterkenntnis bei der folgenden Geschichte!

 

An einem heißen Sommertag, in glühender Mittagshitze zogen ein Vater, sein Sohn und ein Esel durch die staubigen Gassen einer kleinen Stadt im Orient.

Der Vater saß auf dem Esel und der Junge ging daneben her. Da kam eine verschleierte Frau vorüber, schüttelte verständnislos den Kopf und sagte:

„Der arme Junge. Er kann doch mit seinen kurzen Beine kaum das Tempo des Esels halten. Wie kann ein Vater nur so herzlos sein und faul auf dem Esel sitzen, während sein Junge vom Laufen ganz erschöpft ist.“

Der Vater schämte sich, als er diese Worte hörte, stieg ab und setzte seinen Sohn auf den Esel.

Bald darauf kam ein älterer Mann des Weges. Als er die Reisenden sah, rief er verärgert:

„So eine Unverschämtheit. Da sitzt der Bengel auf dem Esel, während sein armer, alter Vater daneben her läuft.“

Das schmerzte den Jungen, der seinen Vater liebte und er bat ihn sofort, sich hinter ihn auf den Esel zu setzen.

Als nächstes kam ein Wanderer vorbei und entrüstet sich lauthals:

„Hat man so etwas schon gesehen? Was für eine Tierquälerei! Der Rücken des armen Esels hängt schon völlig durch und diese beiden Faulpelze ruhen sich auf ihm aus.“

Auch diese Worte trafen die beiden sehr. Und so stiegen Vater und Sohn vom Esel herunter, nahmen das Tier in die Mitte und gingen rechts und links daneben her.

Es dauerte nicht lange, da machte sich ein Fremder über sie lustig:

„Was für eine Verschwendung! Wozu den Esel spazieren führen, wenn er zu nichts nutze ist und nicht einmal einen von euch trägt?“

Daraufhin schüttelte der Vater den Kopf, gab dem Esel eine Handvoll Stroh und sagte zu seinem Sohn:

“Egal was wir machen, es gibt  immer jemanden dem es nicht gefällt. Wir müssen wohl selbst entscheiden, was für uns das Richtige ist.”

(nach Nasreddin Hodscha)